Fineliner.Ausgabe 12 · 1. September 2026

Die erste Krisenbotschaft kommt vor der Krise.

Das Signal

Auf einer Tagung wurde letzte Woche dieser Satz aus der schwedischen Broschüre Om krisen eller kriget kommer („Wenn die Krise oder der Krieg kommt“) zitiert: „Om Sverige blir angripet kommer vi aldrig att ge upp. Alla uppgifter om att motståndet ska upphöra är falska.“ Übersetzt: Wenn Schweden angegriffen wird, wird das Land niemals aufgeben. Alle Informationen, der Widerstand werde beendet, sind falsch.

Die Broschüre wurde im November 2024 an schwedische Haushalte verschickt. Sie enthält praktische Hinweise für Krisen und Krieg, aber auch eine gemeinsame politische Orientierung. Parallel arbeitet die schwedische Psychological Defence Agency daran, Behörden, Kommunen, Regionen, Unternehmen und die Bevölkerung gegen Desinformation, irreführende Informationen und Propaganda widerstandsfähiger zu machen.

Vertrauen lässt sich nicht alarmieren. Man muss es vorher aufbauen.

Warum das relevant ist

Wenn eine Lage eintritt, fehlen zunächst oft gesicherte Informationen. Menschen suchen dann nach Einordnung, Handlungshinweisen und einer Instanz, der sie glauben können. In diesem Informationsvakuum können Gerüchte, Irrtümer und gezielt irreführende Informationen leichter Anschluss finden. Die schwedische Psychological Defence Agency weist deshalb darauf hin, dass sich die Verbreitung irreführender Informationen bei größeren Ereignissen verstärken kann.

Der schwedische Ansatz ist dennoch kein Beweis dafür, dass ein einziger Satz Vertrauen erzeugt. Eine Broschüre ersetzt weder belastbare Alarmierungswege noch klare Entscheidungsbefugnisse oder regelmäßige Übungen. Sie zeigt aber eine wichtige Führungsentscheidung: Der Staat formuliert sein Verhältnis zur Bevölkerung und zu möglichen Falschmeldungen, bevor der Druck maximal ist.

Prävention bedeutet deshalb nicht nur, Vorräte anzulegen oder Pläne abzulegen. Prävention bedeutet auch, Erwartungen, Quellen und Grundsätze so früh zu klären, dass Menschen im Ernstfall nicht bei null beginnen müssen. Was vorher ungeklärt bleibt, wird im Ernstfall zum Gerücht.

Wer im Ernstfall Vertrauen erwartet, muss vorher Orientierung geben.

Implikationen für Führung

Prüfen Sie in Ihrem Leitungsteam

  • Welche Botschaft soll in Ihrer Organisation auch dann gelten, wenn die Lage zunächst unvollständig und widersprüchlich ist?
  • Woran erkennen Mitarbeitende, Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger:innen, welche Information verifiziert ist und wo die nächste verlässliche Auskunft erscheint?
  • Wann wurde zuletzt durchgespielt, wer kommuniziert, wenn die Website, die üblichen Kanäle oder die vorgesehene Führungskraft ausfallen?

Wie ich unterstützen kann

Ist Ihre Organisation schon vor dem Alarm verständlich?

Wenn im Ernstfall erst geklärt werden muss, wer informiert, welche Quelle gilt und welche Botschaft Bestand hat, ist das kein reines Kommunikationsproblem. Es ist eine Frage, wie Führung und Zusammenarbeit aufgestellt sind. Die Resilienz-Analyse macht sichtbar, ob Zuständigkeiten, Informationswege und Vertretungen im Alltag tragen und unter Druck zusammenpassen. Sie ist ein klar umrissener Einstieg mit einem Ergebnis, das Sie intern gut weiterbearbeiten können.

Diese Ausgabe erschien ursprünglich unter dem Namen The Governance Compass. Seit Oktober 2026 heißt der Newsletter Fineliner und erscheint jeden zweiten Dienstag.
Julia Feilen